April 2005
Minidrachen besiedeln Duisburg

Mauereidechsen-Vorkommen im größten Binnenhafen der Welt entdeckt

Mauereidechsen gehören zu den unbekannten tierischen Bewohnern Duisburgs. Das ist auch kein Wunder, denn die nördliche Verbreitungsgrenze dieser mediterranen Art liegt eigentlich im Rheintal bei Bonn. Wie aber kommen die Tiere, die in Nordrhein-Westfalen als „vom Aussterben bedroht“ gelten, in den Duisburger Hafen?

 


Junge Mauereidechser, Foto: BUND

 

„Im Duisburger Hafen gibt es Eidechsen“, berichtete Dorian Büttner. Der Jogger gab an, dutzende Tiere beim Laufen aufgescheucht zu haben: „Die saßen beim Sonnen auf der Straße. Als ich vorbei lief, sind die Tiere ins angrenzende Gebüsch gehuscht.“ Eidechsen im Hafen? Dies klingt ungewöhnlich. Die Suche von Experten der Biologischen Station im Westlichen Ruhrgebiet sowie vom BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland dauerte nicht lange.


Eidechsen an Deichbefestigungsmauer, Foto: BUND

Tiere wurden ausgesetzt

Bei einer ersten Zählung haben die Naturschützer 66 Mauereidechsen gezählt. Dr. Johannes Meßer vom BUND ist überrascht: „Wir haben sicherlich viele Tiere übersehen. Vermutlich leben mehr als doppelt so viele Mauereidechsen im Hafen.“ Die Reptilien halten sich in den Hohlräumen und Lücken einer Deichbefestigungsmauer auf. Bei Sonnenschein verlassen sie morgens ihre Unterkünfte und jagen Spinnen, Asseln und andere Kleintiere auf der Deichmauer. Am frühen Nachmittag krabbeln sie nach oben und setzen ihre Jagd auf der Straße fort. „Sie folgen damit dem Verlauf der Sonne“, hat Johannes Meßer beobachtet. Der Reptilienexperte hat sich intensiv mit den Mauereidechsen im westlichen Ruhrgebiet befasst. Insgesamt 17 Standorte sind zwischen Dortmund und Duisburg bekannt. Die Tiere leben an Eisenbahndämmen, Uferbefestigungen und auf Industriebrachen. Eine ebenfalls vor kurzem entdeckte Population wurde am Rhein-Herne-Kanal in Oberhausen entdeckt. Dort leben die Mauereidechsen an einer angelegten Trockenmauer. „Alle diese Vorkommen gehen auf Aussetzungen von so genannten Terrarienfreunden zurück“, ist sich Johannes Meßer sicher.


Mauereidechsen-Männchen, Foto: BUND

Mauereidechsen – Bereicherung oder Gefahr?

Bisher ist nicht bekannt, dass die Mauereidechsen einheimische Tierarten verdrängen, so wie es beispielsweise ausgesetzte Schmuckschildkröten tun. Sie werden für die Natur zur Gefahr, da sie die Kaulquappen von seltenen einheimischen Kröten und Fröschen fressen. Da sich die Reptilien im Ruhrgebiet auf den Industriebrachen, Schlackenhalden und Deichbefestigungen fleißig vermehren, halten Experten eine weitere Ausbreitung der ausgesetzten Tiere nicht für ausgeschlossen. Es ist kaum zu glauben: Die natürlichen Vorkommen in Südwestdeutschland sind hochgradig gefährdet. Im Ruhrgebiet dagegen breiten sich ausgesetzte Tiere aus. Während es als Glücksfall gilt, Mauereidechsen, zum Beispiel in der Eifel, in natürlichen Felslebensräumen zu sehen, müssen Jogger im Duisburger Hafen aufpassen, nicht versehentlich auf sie zu treten.


Eidechsen-Lebensraum Deichbefestigungsmauer; Foto: BUND

Linktipp

Ausführliche Seite über Amphibien und Reptilien in NRW:

www.herpetofauna-nrw.de

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