Die Gespinstmotten kommen!

Sie sind die Christos der Insektenwelt

Gespinstmotten hüllen jedes Jahr Sträucher und ganze Bäume zum Schutz ihrer Nachkommen ein. Und jedes Jahr wollen besorgte Menschen wissen, ob sie die vermeintlichen Schädlinge mit Gift bekämpfen sollen. Dies ist jedoch nicht sinnvoll. Darauf weist der BUND in Duisburg hin. Forstexperten stimmen der Einschätzung zu.


Larven der Gespinstmotte; Foto: BUND

"Vor allem die Traubenkirschen-Gespinstmotten sind in der Lage, ganze Baumgruppen mit ihren silbrigen Fäden zu überziehen", berichtet der Duisburger Stadtwaldförster Stefan Jeschke. Insgesamt fünf, nur schwer voneinander zu unterscheidende Arten der Gespinstmotten leben bei uns. Er kann zwar nachvollziehen, dass die oftmals in Massen auftretenden Raupen bei den Leuten Unbehagen oder gar Ekel auslösen, er selber betrachtet die Raupen und ihre auffälligen Kinderstuben jedoch emotionslos als "Laune der Natur". Zunächst machen sich die Larven des kleinen Schmetterlings über die Knospen und frischen Blätter ihrer Wirtsbäume her, später werden sie anspruchsloser und vertilgen alles Grün.

Eingesponnene Baumgruppe; Foto: BUND

Larven an Obstbäumen früh absammeln!

Der Wunsch, die als ekelhaft empfundenen Tiere mit Gift zu vernichten ist meistens ebenso sinnlos wie gefährlich für die Umwelt. Ist das Gespinst erst einmal ausgebildet, sind die Raupen kaum noch zu bekämpfen. "Da manchmal auch Obstbäume von den Gespinstmotten befallen werden", so Förster Jeschke, "empfiehlt es sich, die Raupen so früh wie möglich von den Apfel- oder Pflaumenbäumen abzusammeln". Lässt man die Tiere jedoch gewähren, kann es zu einem kompletten Ernteausfall kommen. Der Förster rät aber dringend davon ab, den Tieren mit der Giftspritze beikommen zu wollen, "denn sonst tötet man mit dem Insektizid gleichzeitig die Fraßfeinde der Raupen". Die Staatliche Versuchsanstalt für Gartenbau der Fachhochschule Weihenstephan weist zudem darauf hin, dass Vögel, Raubwanzen sowie einige Parasiten eine ungehemmte Vermehrung der Gespinstmotten verhindern.


Kokon einer Gespinstmotte; Foto: BUND

Ekelig oder wunderschön?

Dr. Johannes Meßer ist der Ökologie-Experte beim BUND in Duisburg. Er kann zwar nachvollziehen, dass einige Menschen die Massenansammlungen der Raupen als unangenehm empfinden, doch er rät zur Gelassenheit und zur Auseinandersetzung mit ihren ungewöhnlichen Fähigkeiten: „Wer sich die silbrige Hülle der Bäume genauer ansieht, muss doch zugeben, dass das sehr hübsch aussieht.“ Wer das nicht so sieht, dem sei versichert: Sind die kleinen weißen Falter mit den schwarzen Punkten auf den Flügeln schließlich aus den Puppen geschlüpft, verwittern die Gespinste rasch, die Bäume treiben wieder aus und schon bald ist von dem Gespinst-Spuk nichts mehr zu sehen.

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